07.10.2026    1 Bild

Welttag der psychischen Gesundheit: Immer mehr Kinder und Jugendliche suchen Hilfe

SFU-Universitätsambulanzen versorgen 2026 bereits mehr als 2.000 Menschen und bilden dabei rund 400 angehende Fachkräfte aus Psychologie und Psychotherapie unter Supervision aus
© Sigmund Freud PrivatUniversität

Seelische Belastungen nehmen bei jungen Menschen immer mehr zu. Gleichzeitig ist die Versorgungslage in Österreich durch zu wenig Angebot und lange Wartezeiten stark angespannt.

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SFU-Universitätsambulanzen versorgen 2026 bereits mehr als 2.000 Menschen und bilden dabei rund 400 angehende Fachkräfte aus Psychologie und Psychotherapie unter Supervision aus

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Wien, 7. Oktober 2026 – Zum Welttag der psychischen Gesundheit zeigen Zahlen aus den vier Wiener Universitätsambulanzen der Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU), wie groß der Bedarf ist: Von Jänner bis August 2026 führte die Psychotherapeutische Ambulanz für Kinder und Jugendliche 260 Erstgespräche – rund 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (161). Insgesamt haben die SFU-Ambulanzen heuer bereits mehr als 2.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene psychotherapeutisch oder klinisch-psychologisch versorgt.

Die Ambulanzen verbinden dabei drei Aufgaben: Sie bieten Menschen in Belastungssituationen fachlich fundierte Hilfe, sie sind Ausbildungsort für den Nachwuchs in Psychotherapie und Klinischer Psychologie,
und ihre Routinedaten fließen in Forschung, die Diagnostik und Behandlung weiterentwickelt. Der Welttag steht 2026 unter dem Motto „Lived Experiences Heard: Real Voices, Real Change“ – also dem Anliegen, die Erfahrungen Betroffener zu hören und ernst zu nehmen.

Kinder und Jugendliche: Soziale Ängste und Schulprobleme nehmen zu

Die Psychotherapeutische Ambulanz für Kinder und Jugendliche hat von Jänner bis August 2026 rund 200 Kinder und Jugendliche behandelt und etwa 4.000 Therapieeinheiten geleistet. Seit der Corona-Pandemie beobachtet das Team vermehrt soziale Ängste, Schulprobleme wie Mobbing und Anpassungsstörungen – bereits ab dem Volksschulalter. Ein erstes Abklärungsgespräch ist meist innerhalb von ein bis zwei Wochen möglich; bis zum Therapiebeginn vergehen danach oft mehrere Monate. Im Rahmen einer Kooperation mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) stehen ÖGK-versicherten Familien vollfinanzierte Plätze mit bis zu 60 Einheiten zur Verfügung. Im Herbst laufen zudem Selbsthilfegruppen für 14- bis 18-Jährige, etwa zu Mediensucht oder für Jugendliche im Autismus-Spektrum.

Passend zum diesjährigen Motto untersucht die Ambulanz seit März 2026 in eigenen Studien, wie Kinder ihre Belastung selbst erleben und wie gut Eltern diese Sicht einschätzen.

„Seelische Belastungen im Kindes- und Jugendalter nehmen immer mehr zu. Gleichzeitig ist die Versorgungslage in Österreich durch zu wenig Angebot und lange Wartezeiten stark angespannt“, sagt Mag. Esther Richter, Leiterin der Psychotherapeutischen Ambulanz für Kinder und Jugendliche. „Nur mit mehr Bewusstsein, einem flächendeckenden Ausbau psychotherapeutischer Angebote und Prävention können wir verhindern, dass Belastungen im Erwachsenenalter chronisch werden.“

Frühe Abklärung: Jede dritte Anfrage betrifft Autismus

Am Kinderpsychologischen Zentrum der SFU befanden sich zum Stichtag 28. September 2026 120 Kinder und Jugendliche in klinisch-psychologischer Diagnostik, dazu rund 14 in Behandlung. Etwa ein Drittel der Anfragen betrifft eine Abklärung im Autismus-Spektrum. Die Wartezeit auf einen Ersttermin konnte von rund 40 Wochen im Vorjahr auf rund 32 Wochen verkürzt werden. In den Anamnesen beobachtet das Team zudem häufiger Konzentrationsprobleme bei Kindern mit sehr hohem Medienkonsum.

„Bei psychischen Auffälligkeiten von Kindern ist eine frühe Diagnostik wichtig, um anschließende Interventionen möglichst präzise an die Bedürfnisse des Kindes anzupassen“, so Dr. Stefana Holocher-Benetka, Leiterin des Kinderpsychologischen Zentrums. „Damit das gelingt, muss die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kindergarten und Schule sowie den medizinischen Fachkräften stärker in den Fokus rücken.“

Erwachsene: Zukunfts- und Existenzängste im Vordergrund

Die Psychotherapeutische Ambulanz für Erwachsene hat 2026 bis September bereits rund 1.700 Menschen behandelt – mehr als im gesamten Vorjahr (rund 1.400). Bis Juli wurden etwa 23.000 Therapie- und Beratungseinheiten geleistet, Psychotherapie ist in zahlreichen Sprachen möglich. Spürbar zugenommen haben nach Beobachtung der Ambulanz Klima-, Zukunfts- und Existenzängste. Für Menschen in akuten Krisen gibt es daher ein kostenfreies Kriseninterventionsprogramm: Studierende begleiten Betroffene zehn Wochen lang unter engmaschiger Supervision. Die Begleitforschung mit bisher 80 Teilnehmenden zeigt Verbesserungen bei depressiver Symptomatik und Angst.

Wie wichtig lebensphasensensible Versorgung ist, zeigt eine aktuelle Studie der Ambulanz in Frontiers in Psychiatry: Von 166 Patientinnen und Patienten ab 60 Jahren hatte gut die Hälfte (51,2 %) eine hohe körperliche Krankheitsbelastung, ihr Wohlbefinden lag unter jenem jüngerer Altersgruppen.

„Die psychotherapeutische Behandlung eines Menschen ist so einzigartig wie die Persönlichkeit, die Hilfe sucht“, sagt Dr. Lisa Winter, Leiterin der Psychotherapeutischen Ambulanz für Erwachsene. „Leistbare Psychotherapie bedeutet, dass möglichst viele Menschen den ersten Schritt zur Linderung ihres Leidens gehen können. Damit leistet die Ambulanz einen Beitrag gegen die Chronifizierung psychischer Erkrankungen.“

Psychologische Universitätsambulanz: Nachfrage nach ADHS- und Autismus-Diagnostik steigt

An der Psychologischen Universitätsambulanz waren Ende August 2026 142 Patientinnen und Patienten in Behandlung oder diagnostischer Abklärung, 224 Personen standen auf der Warteliste – etwa 60 Prozent davon für eine Diagnostik. Die Wartezeit von der Anmeldung bis zum ersten Termin liegt bei rund 20 Wochen für eine Behandlung und rund 28 Wochen für eine Diagnostik. Stetig zunehmend sind Anfragen zur ADHS- und Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen; abgeklärt wird stets differenzialdiagnostisch, also auch mit Blick auf andere mögliche Ursachen. Niederschwellig und kostenlos ist etwa die Selbsthilfegruppe zum Thema pathologisches Horten für Betroffene und Angehörige.

„Wir erleben täglich, wie groß der Bedarf an psychologischer Unterstützung ist und wie schwierig es für viele Menschen sein kann, zeitnah Hilfe zu bekommen“, sagt Zuzana Kovacovsky, MSc, Standortleiterin der Psychologischen Universitätsambulanz Wien. „Umso wichtiger ist es, psychische Gesundheit stärker in den Fokus zu rücken und Versorgung, Prävention, Ausbildung und Forschung gemeinsam weiterzuentwickeln.“

Ausbildung unter Supervision als Teil der Versorgung

Rund 400 angehende Fachkräfte aus Psychologie und Psychotherapie sowie Praktikantinnen und Praktikanten sammeln in den SFU-Ambulanzen klinische Erfahrung – von der Beobachtung über Co-Therapie bis zur eigenständigen Arbeit unter Supervision. Die Zuweisung orientiert sich dabei am Bedarf der betroffenen Person: Gesucht wird die passende Therapeutin oder der passende Therapeut für den Menschen, der Unterstützung benötigt.

Hier finden Betroffene Hilfe

Betroffene und Angehörige können hier Hilfe finden: Anlaufstellen der SFU in Wien.

In akuten Krisensituationen ist die Telefonseelsorge unter der kostenfreien Rufnummer 142 rund um die Uhr erreichbar. Unter der Nummer 147 erhalten Kinder und Jugendliche bei Rat auf Draht Unterstützung.


Infografiken zum Welttag der psychischen Gesundheit können hier heruntergeladen werden.


Über die SFU
Die Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU) ist Österreichs größte Privatuniversität und als umfassende Gesundheitsuniversität an mehreren europäischen Standorten vertreten. Derzeit studieren mehr als 6.000 Personen an den Fakultäten für Medizin, Psychologie, Psychotherapiewissenschaft und Rechtswissenschaften. Unter dem Motto „lehren.forschen.versorgen.“ steht die SFU für Exzellenz in Lehre und Forschung sowie für gesellschaftliche Verantwortung. Mit eigenen Ambulanzen und klinischen Einrichtungen in den Bereichen psychische Gesundheit und Zahnmedizin leistet die Universität einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung in Wien.

Rückfragehinweis
Pressestelle der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien (SFU)
Harald Trautsch, MSc, MBA
harald.trautsch@sfu.ac.at
+43 664 365 74 46
www.sfu.ac.at

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